Tränen von damals und heute
Schon sechzig Jahre ist es wohl her,
als damals die Waffen schwiegen.
Im Straßengraben das Schießgewehr,
es rostete dahin und blieb liegen.
Und das Gras, es wuchs und bedeckte den Stahl,
Huflattich und Disteln erblühten.
Vergessen der Krieg mit einem Mal,
und es roch nach Frühling und Frieden.
Und die Väter, sie schrien:„Nie wieder Krieg!
Mein Sohn soll in Frieden gedeihen.“
Doch mancher Sohn, im Grabe, er schwieg
und ließ sich mit Blumen weihen.
Doch so viele Söhne im fremden Land,
die Gebeine sind längst schon zerfallen.
Verlorene Jugend in Schlachten verbrannt,
in Russland verschollen, gefallen.
Die Hände erhoben zum heiligen Eid,
„Nie wieder die Waffen erheben.“
Und dieser Schwur, er schwebte so weit,
hinein in ein friedvolles Leben.
***
Doch schon wieder wird der Mensch zum Tier,
mit Bomben und Granaten.
Und jeder schreit: „Ich kann nichts dafür,
mein Nachbar, er will mir schaden!“
Und nun schlagen sie sich die Köpfe ein,
die Iraker und auch die Afghanen,
und der Ami begießt mit blutigem Wein,
diese Länder mit Siegesfahnen.
Doch die Augen der Mütter sind tränennass,
ihre Söhne sind längst schon gefallen,
denn der Krieg fraß sie auf im Übermaß,
und die Todesschreie verhallen.
Der Mensch trägt die Schuld, sie lastet so schwer,
auf den Schultern und auf dem Gewissen.
Es quillt fast schon über, das Tränenmeer,
weil so viele im Krieg sterben müssen.
Dann ist Krieg ...
Wenn Männer statt Hüte Helme tragen,
sich in fremden Ländern
mit unbekannten Männern schlagen,
wenn Kinder, Frauen und alte Leute,
sich verstecken vor dieser wilden Meute,
dann ist Krieg ...
Wenn am Himmel silberne Vögel nicht singen,
wenn ihre Stahlgeschosse
ins fremde Land eindringen,
wenn Raketen mit berstendem Knall,
über die Ländergrenzen tragen ihren Schall,
dann ist Krieg ...
Wenn Kinder mit abgerissenen Beinen,
Tränen vergießen, wie ein Regenschauer.
Wenn sie vor Schmerzen, schreien oder still weinen,
und wenn Frauen zu Boden sinken,
gebeugt in tiefster Trauer,
dann ist Krieg ...
Wenn Männer in die Luft sich sprengen,
um die Besatzer aus dem Land zu drängen,
wenn sie junge Soldaten
in den Tod mit reißen,
und wenn zarte Gefühle in Hass entgleisen,
dann ist Krieg ...
Blut ist wie Wasser im Fluss ...
Der Persische Golf schwillt an,
denn er ist getränkt,
mit den Tränen der Kinder und Mütter,
und mit dem Blut der „Dahingemordeten“.
Es wird eingeschwemmt,
in die Wellen des Tigris und des Euphrats.
Ein neues Rotes Meer ist entstanden,
und die Sonnenstrahlen,
sie saugen die unzähligen Blutstropfen
in sich auf,
und tragen sie weiter,
weit fort als Wolken.
Wenn die Sonne hindurchscheint,
könnte man meinen,
dass eine Fata Morgana entlang zöge,
dort oben am Himmel,
wie eine Karawane.
Doch die Wolken sind getränkt,
vom Blute der unzähligen Opfer
Doch eines Tages
wird es regnen in Washington und New York.
Die Dächer und auch die Straßen,
sie werden sich rot einfärben.
***
Ängstlich hasten die Menschen dahin.
Sie verkriechen sich in ihren Häusern,
bekreuzigen sich
und schließen ihre Türen und Fenster ...
Krieg im Irak ...
Blitz und Donner,
nicht von Naturgewalten gezeugt,
sondern durch Menschenhand gesteuert,
lassen die Erde erbeben
und ...
uns’re Herzen erstarren zu Eis.
Ein neues Vietnam im neuen Jahrhundert?
Das so eben begonnene Jahrtausend,
ist es der Anbeginn von neuem Völkermord?
Will denn dieses „Schlachten“
kein Ende nehmen?
„Krieg beginnt dort,
wo der Verstand zu Ende ist ...“
***
Vögel fallen von den Bäumen,
lautlos und still.
So still sind sie geworden ...
Sie sind verstummt, weil der Einschlag
der Raketen ihre kleinen Herzen
zerrissen hat.
(Der Luftdruck war zu stark für sie ...)
Gebäude stürzen in sich zusammen,
wie Kartenhäuser -
Frauen schreien und sie reißen sich
ihre Tücher von den Gesichtern,
und Kinder blicken
mit weitaufgerissenen Augen
in's Flammenmeer.
***
Ein kleiner siebenjähriger Iraker,
gestern spielte er noch mit den anderen -
er hat seine Fäustchen geballt
und die kleinen Knöchelchen,
weiß treten sie hervor ...
"Wenn ich groß sein werde,
dann zahle ich es euch zurück!",
flüstert er leise, kaum hörbar,
und in seinen Augen
flammt ein unheilvolles Glühen ...
Der Hass, er wird kein Ende finden,
in diesem Jahrhundert ...
Gedanken über Krieg und Frieden ...
Ich habe geträumt,
dass in unserem neuen Jahrtausend
die Waffen geschaffen von Menschenhand,
endlich dahinrosten würden,
wie uralte Pflugschare ...
Auch träumte ich davon,
dass im angebrochenen neuen Jahrhundert,
die Menschen viel klüger und reifer
geworden wären,
als im alten, vergangenen,
das uns doch so viel Böses
als Erbschaft hinterließ.
Doch dann erwachte ich,
und der östliche Himmel,
er war überzogen,
mit einer unheilvollen Morgenröte.
***
Warum müssen Menschenhände
Feuer schüren auf der Welt?
Warum glühen neue Brände,
bis das Antlitz „Mensch“ zerfällt?
Soll die Menschheit untergehen,
weil sich die Menschen nicht verstehen?
Warum müssen Menschenhorden
überall in Stadt und Land,
rote Spuren hinterlassen ...
„Haltet ein mit eurem Morden!
Wo bleibt euer Menschverstand?
Müsst Ihr euch denn immer hassen?“
Warum müssen Menschenherzen
schrei’n im Unglück, voller Qual?
Überall nur Hass und Tod!
Menschheit, weine voller Schmerzen,
denn in diesem Höllental,
stirbt der Mensch in seiner Not!
Stahlsplitter töten Kinder ...
Jedes Mal, wenn ein Kind stirbt,
irgendwo, von Stahlsplittern,
durch Menschenhand bewusst gefertigt,
stirbt auch ein Stückchen Welt in mir.
Unser Planet, dieser blaue,
verfärbt sich ins Scharlachrote,
und er wird zerbersten eines Tages,
wenn wir nicht Einhalt gebieten,
dieser verruchten Mordlust.
Warum will man “Demokratien” exportieren,
wenn sich Völker freiwillig noch
abstrakten Religionen unterwerfen?
Warum sie zwingen,
wenn sie anders als wir,
glücklich sein können und wollen?
Lasst die Kinder lachen!
Begebt euch auf unbewohntes Land!
Dort könnt ihr heldenmütig und betend
eure Schlachten ausleben,
mit blutigen Schwertern.
Wenn Kinder gegeißelt
und ermordet werden ...
(Entnommen aus meinem Gedichtband Herbststürme)
„ ... Diese Aktion
(Geißelnahme in einer russischen Schule)
wurde von Leuten ausgeführt,
denen der Albtraum der tschetschenischen Tragödie
und der Schmerz über persönliche Verluste,
den Verstand verdüstert hat ...”
Gesprochen von Achmed Sakajew.
Was muss geschehen sein,
in den Ebenen und Bergen Tschetscheniens,
als russische Soldaten im Auftrag ihres Präsidenten,
mit harter Hand, ein nach Freiheit lechzendes Volk,
mit Terror knebelten?
Frauen wurden von fremden Männern
brutal vergewaltigt.
Kinder wurden an die Wände der Häuser
geschleudert,
bis sie mit zerschlagenen Schädeln,
ausblutend noch, zu Boden sanken.
Männer wurden öffentlich hingerichtet,
auf den Straßen und Plätzen,
vor den Augen ihrer Frauen und Mütter ...
Was ist geschehen in unserer Welt,
dass Menschen, wie hungrige Wölfe
über andere herfallen und zu Bestien werden?
Im Sandsturm, dort in der fernen Wüste,
sind sie beinahe erstickt,
und mit Präsidentengelüste,
wurden sie dort hingeschickt.
Es hieß: „Kämpft für die Ehre,
für euer Vaterland.“
So nahmen sie ihre Gewehre
und legten die Häuser in Brand.
Nun steh’n sie im fremden Lande.
Zu Haus’ weint die Frau mit dem Kind.
„Ehrenvoll“ kämpfen in Schande -
verlorene Kämpfer sie sind.
Soldaten, die gestern noch sangen,
im Wüstenmorgenrot.
Sie sind schon dahin gegangen,
sie sind schon seit Stunden tot.
Auf Halbmast weht still eure Trauer -
was nützt nun die Ehre und Schand’?
Es rinnt über den Rücken ein Schauer,
in diesem so fremden Land.
Ihr habt dieses Volk überfallen
und geschändet durch eure Hand,
wenn einst eure Schüsse verhallen,
versiegt euer Blut dort im Sand ...