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Ernte 2007 - Gedichte von Franz Lorber


  Wieso und warum?

Wieso trommle ich manches Mal
mit meinen Fäusten
gegen die Außenschale
meines Hirns,
um es im Denken
anzuhalten?

Warum möchte ich
mit meinen Händen
meine Seele zerquetschen,
damit ich endlich einmal in Ruhe,
spät am Abend einschlafen könnte.

Es sind wohl
diese Widrigkeiten,
die mir diese ruhelose
Unstetheit aufbürden
und mich zu Boden drücken möchten ...

 

 

Ich war es doch gewesen ...

Ich möcht, bevor ich geh, euch noch beweisen,
dass nicht nur leere Zeilen von mir übrig bleiben.
Mit meinem Verseschmieden und mit meinem Schreiben,
wollt ich für euch mein eig’nes Leben preisen.

Ich bin es doch. Es ist mein eig’nes Leben,
das mühsam ich für euch beschrieben habe.
Vielleicht ist in mir eine kleine Göttergabe,
dies zeilenhaft geformte ‘Von mir geben’.

Vielleicht will ich mich damit selbst beglücken,
wenn ich am Abend meine Augen schließe
und dieses Hingeschrieb’ne still genieße,
für mich allein, fast wie im Traumentzücken.

Und wenn ich sinnend wohlklingend Worte finde,
ganz leise singe ich sie vor mich hin.
Ich form mein Lied, mit Inhalt und mit Sinn
und lächle still, wenn Frohsein ich empfinde.

Und nicht umsonst sind die gelebten Stunden.
Glaubt nicht, dass ich mir meine Zeit vergeude.
Es ist für mich gelebte Lebensfreude,
und Glücksmomente hab ich dabei empfunden.

An manchen Abenden blicke ich versonnen,
hinaus zum Fenster in die Sternenwelt,
und wenn dort oben ein Sternensplitter fällt,
ich hab ihn eingefangen und habe ihn umsponnen.

Es kann schon sein, dass meine späte Zeit,
mich etwas schrullig werden ließ mit meinem Dichten.
Ich kann und will, so lang ich lebe, nicht verzichten,
auf dieses Glück, auf die Glückseligkeit.

Ja, lächelt nur, wenn ihr beim Bücherlesen,
kopfschüttelnd stolpert über meine Zeilen.
Vielleicht gelingt es euch, ein bisschen zu verweilen
und nachzudenken. Ich war es doch gewesen ...

 

 

Schmaler Grat, jenseits der Siebzig ...

Je älter man wird, jenseits der Siebzig,
desto schmaler wird der Grat,
auf dem man noch entlang wandern möchte.

Seinen Gefühlen freien Lauf zu gewähren,
ist vergleichbar,
als wenn man mit verbundenen Augen,
an einem Abgrund stünde.

Die Gefahr, abzustürzen, unaufhaltsam,
ohne festgehalten zu werden,
nimmt stetig zu.

So ist es wohl besser,
seine Sehnsucht nach Zartgefühl,
nur noch ein wenig auszuträumen.

Am Tage sollte man,
mit einem Stock in der Hand,
auf bequemeren Wegen lustwandeln,
um öfters einmal
ausruhen zu können.

 

 

Nachts in meinem Zimmer ...

Halbmüde schon suche ich nach Worten.
Die Hände liegen auf dem Tisch so schwer.
Verschlossen sind für mich heut meine Pforten,
und alles ist so unerklärbar leer.

Ach, wie sie auf mich starren, meine Wände,
als hätten sie mit meiner Gegenwart,
gebunden auf dem Tische, meine Hände,
die steifen Finger leblos und erstarrt.

Es ist für mich ein seltsames Empfinden,
mir ist, als löschten sich die Lichter aus.
In meinem Suchen kann ich keine Worte finden,
als wohnte ich in einem leeren Haus.

von weitem glänzt ein Stern wie ein Karfunkel,
er streichelt nächtlich zart mein Augenlicht,
und alles um mich her, es ist so dunkel,
als ob die Seele mit meinem Körper spricht.

So frag ich mich, ob ich es selber bin,
in Selbstzerfleischung such ich meinen Traum.
Durch Dunkelheiten sucht tastend sich mein Sinn,
zu meiner Seele hin in Zeit und Raum.

 


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