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Ernte 2007 - Gedichte von Franz Lorber


  Über die moralische Verkommenheit einiger kriegslüsterner Nationen ...

Schon allein der Versuch,
gewaltsam mit kriegerischen Mitteln,
seine eigene politische, wirtschaftliche
und kulturelle Anschauungsweise
gegenüber vermeintlich Schwächeren
durchsetzen zu müssen,
zeigt die moralische Verkommenheit
und Unkultur der eigenen Nation.

Es ist nicht möglich,
westliche Demokratieanschauung
in Länder zu exportieren,
die ausgehend von ihrer geschichtlich - historischen Entwicklung,
vor allem auch aus ihrer Religion,
völlig anders geartet sind.

 

 

Lasst Frieden werden für alle Kinder unserer Welt ...

Sonntagmorgen, den 30. Juli 2006
Kana bei Tyrus in Libanon!


Silbervögel ziehen am Himmel entlang von Libanon
und verdunkeln das Licht der Sonne.
Klumpen, wie dunkle Sterne, fallen zur Erde.

Vierunddreißig Kinder
liegen wie kleine Blumen verstreut
in den Trümmern eines Wohnhauses,
leblos, zerfetzt, ausgelöscht.
Ihr einstiges Lachen
ist fortgezogen mit den Rauchschwaden
des Bombenterrors.

Wölfe heulen,
weil, als sie die Schafherde eines Hirten überfielen,
Lämmer gerissen und zerfleischt haben.

Der israelische Leitwolf,
Ministerpräsident Ehud Olmert bekundet:
“Tiefen Schmerz über den Tod von Zivilpersonen!”,
und entschuldigt sich.
Seine Ziehmutter,
US-Außenministerin Condeleeza Rice,
lächelt gefühllos mit versteinerter Grimasse.

Wenn die Tollwut
um sich greift in einem Staatsgefüge,
dann werden Menschen zu reißenden Wölfen.

Eltern!
Erklärt euren Kindern dieses Gedicht,

denn:
Wir kennen dies
aus unserer eigenen historischen Vergangenheit.

 

 

In der Bibel geblättert ...

Heute habe ich in meiner Bibel geblättert,

um darin wahllos zu lesen.
Gekauft habe ich sie vor einigen Jahren,
weil mir der Umschlag aus Zinn gegossen,
so gut gefiel.

Da fiel mir der Psalm 114 in mein Augenlicht:

“Als Israel aus Ägypten zog,
das Haus Jakob aus dem fremden Volk,
da wurde Juda sein Königreich,
Israel sein Heiligtum.
Das Meer sah es und floh,
der Jordan wandte sich zurück ...”

Ich erahne, dass eine riesige Tsunamiwelle,
dieses gepeinigte Land überfluten wird,
weil es selbst so sinnlos und von Tollwut geprägt,
gequält wurde und nun wutentbrannt mordet.

Die Menschen in ihren Häusern werden schreien,
in Angst und Schrecken,
wenn die große Flut des Mittelmeeres
sich mit der des Roten Meeres verbinden wird,
und der Jordan quillt weit über seine Ufer.

“In die Knie mit euch,
ihr Gläubigen!”
und denkt nach über die Sünden,
die ihr begangen habt ...

 


 

Stahlsplitter töten Kinder ...

Jedes Mal, wenn ein Kind stirbt,
irgendwo,
von Stahlsplittern,
durch Menschenhand bewusst gefertigt,
stirbt auch ein Stückchen Welt in mir.

Unser Planet, dieser blaue,
verfärbt sich ins Scharlachrote,
und er wird zerbersten eines Tages,
wenn wir nicht Einhalt gebieten,
dieser verruchten Mordlust.

Warum will man “Demokratien” exportieren,
wenn sich Völker
freiwillig noch
abstrakten Religionen unterwerfen?

Warum sie zwingen,
wenn sie anders als wir,
glücklich sein können und wollen?

Lasst die Kinder lachen!
Begebt euch auf unbewohntes Land!
Dort könnt ihr heldenmütig und betend
eure Schlachten ausleben,
mit blutigen Schwertern.

 

 

Wenn Kinder gegeißelt und ermordet werden ...
(Entnommen aus meinem Gedichtband Herbststürme)

„ ... Diese Aktion
(Geißelnahme in einer russischen Schule)
wurde von Leuten ausgeführt,
denen der Albtraum der tschetschenischen Tragödie
und der Schmerz über persönliche Verluste,
den Verstand verdüstert hat ...”
Gesprochen von Achmed Sakajew.

Was muss geschehen sein,
in den Ebenen und Bergen Tschetscheniens,
als russische Soldaten im Auftrag ihres Präsidenten,
mit harter Hand, ein nach Freiheit lechzendes Volk,
mit Terror knebelten?

Frauen wurden von fremden Männern
brutal vergewaltigt.
Kinder wurden an die Wände der Häuser
geschleudert,
bis sie mit zerschlagenen Schädeln,
ausblutend noch, zu Boden sanken.

Männer wurden öffentlich hingerichtet,
auf den Straßen und Plätzen,
vor den Augen ihrer Frauen und Mütter ...

Was ist geschehen in unserer Welt,
dass Menschen, wie hungrige Wölfe
über andere herfallen und zu Bestien werden?

 

 

Als hätte ich sieben Tage nur gelebt ...

Der erste Tag:

Aufschrei aus dem Dunkel der Geborgenheit
im Leib der Mutter.
Hinausgestoßen von Presswehen getrieben,
ins Licht der gleißenden Sonne.
Schützende Hände
streicheln die geballten Fäustchen.
Neugier vermischt
mit kindhaftem Abenteuer.

Der zweite Tag:

Weggestoßen von der Scholle der Väter,
beschimpft und verprügelt, nicht wissend warum.
Schmerzhafte Gedärme
in der Sehnsucht nach Brotkrumen
im Dreck der Straße,
wo sich sonst Spatzen darum balgten.
Totengesänge in Lagerbaracken,
früh schon auf ungehobelten Holzpritschen,
bedeckt mit schmutzigem Stroh,
und heimatlos geworden.

Der dritte Tag:

Und dann:
Wie neugeboren.
Zwar immer noch hungrig, wie ein junger Wolf,
aber ohne Ängste.
Weite Flachheit im fremden Land
und manchmal träumte ich voller Heimweh
von meiner Heimat,
wo sich die Wälder in die Berge schmiegten.
In der Schule darf wieder
Deutsch gesprochen werden ...

Der vierte Tag:

Endlich der Heimat etwas näher.
Mitten drin in den dichten Wäldern und Bergen.
Wieder kraftvolles Durchatmen.
Kindhafte Abenteuer,
fast schon ausartend in räuberhafte Romantik.
Dann schon Ende der Kindheitstraum.
Lehrjahre sind wohl keine Herrenjahre.
Doch jede Zeit hat ihre Grenzen,
so auch diese ...

Der fünfte Tag:

Freiwilliges Eingepresstsein,
in die Kluft eines wiedererstandenen Militärs,
im Dienste des Friedens?!
Gebeugter Gehorsam,
und dann ein Aufschrei,
endlich wieder frei!
Ein Stück verlorene Jugend,
hinter sich lassend,
ohne Wiederkehr.

Der sechste Tag:

Ziviles Leben ist nicht immer glänzendes Gold.
Schwerstarbeit im Dunkel einer Giesserei,
mit heißsprühenden Funken.
Und dann stieg ein Engel herab zu mir,
und tausend Sonnen
leuchteten meinen künftigen Weg aus.
Schön kann das Leben sein,
wenn man versteht,
es gemeinsam zu gestalten.
Kinder zeugen und großziehen,
welch ein Wunder ...

Der siebte Tag:

Doch schon öffnet sich die Tür
des Älterwerdens.
Viel zu früh,
denn meinem Engel versagten die Kräfte.
“Lass mich bei dir sein,
bis du eines Tages,
hingehen wirst ins Licht der Ewigkeit.
Vielleicht muss ich dann
meine letzten Schritte allein gehen,
um dir zu folgen ...”


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