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Geboren
wurde ich drüben, jenseits der Grenze, im Tschechischen, in der
wunderschönen
Bergstadt Graupen, die nun Krupka heißt. Am 25. August 1934 erblickte ich dort
das Licht der Welt. Es ist wohl ein einmaliges Stückchen Erde, diese meine
angestammte
Heimat, die ich wohl nie vergessen
werde. Dort, wo das Mückentürmchen fast den Himmel küsst und weit ins
Tal hinunterlugt, wo von der anderen Seite, vom böhmischen Mittelgebirge, der
Milischauer – ein ebenso prachtvoller Berg –
herüberspäht, dort habe ich den ersten Teil meiner Kindheit erleben dürfen.
Wie
glücklich war ich, als ich in den sechziger Jahren wieder zum ersten Male hinüber
fahren durfte. Ganz allein wanderte ich durch die Straßen und Wege meiner
Heimatstadt und plötzlich war mir,
als wäre ich, der die Dreißig längst überschritten
hatte, wieder zu einem kleinen Graupener Lausbub
geworden. Hier war es, als wir dem Gärtner ‚Langhammer’ mit einer
Steinschleuder die Scheiben seines Gewächshauses einschlugen und dort drüben,
mitten in einem Berg hineingebaut, da steht immer noch die alte, mir noch so
vertraute Rosenburg, wo wir Jungens nach Schulschluss manches Abenteuer
durchlebten. Beim Rosenthal vorbei hoch in die Wälder, wo mein Vater noch als Jäger
und Heger angestellt war, da nahm er mich oft mit, eingepackt in seinem Rucksack
und nur mein Kopf und die Arme guckten oben
heraus, weil ich doch die Berge noch nicht erklettern konnte und dort drüben
auf dem Mariascheiner Friedhof. Ich legte nach nunmehr zwei Jahrzehnten die
ersten Blumen nieder auf das Grab meines Onkel Mundels, der eigentlich Raimund
hieß. Dieser erste Besuch in meine Vergangenheit, er hinterließ tiefe Spuren
in meiner Seele und ich dachte zurück, als wir Hals über Kopf aus unseren Häusern
hinausgetrieben wurden und bald darauf heimat- und
obdachlos und auch rechtlos geworden waren.
In
zwei Lagern vegetierten wir viele Wochen dahin und wir teilten uns mit den Läusen,
Wanzen und Flöhen die primitiven Schlafstätten. Dann kamen wir in ein Dörflein
nach Mecklenburg. Es zog uns recht bald wieder hin, in unser geliebtes
Erzgebirge. Dieses Mal allerdings, zur sächsischen Seite. In
Waldbärenburg, oben bei der Baukahre erlebte ich schließlich den
zweiten Teil meiner Kindheit und zwar noch viel intensiver als je zuvor. Dort
habe ich die Liebe zur Natur so richtig ausleben
können, wie ich es nie zuvor erträumt hatte. Im schönen Kurort
Kipsdorf habe ich den Rest meiner Schulzeit verbracht.
Ein
Träumer, ohne dabei die Realität aus den Augen zu verlieren, war ich schon
immer gewesen, besonders dann, wenn ich mich mit der Natur verbunden fühlte.
Mein Berufswunsch, einmal Förster werden zu können, er blieb für mich
allerdings ein unerfüllter Traum. Aber die Liebe zur Natur, sie ist mir für
immer erhalten geblieben.
Was
soll ich Euch berichten aus meinem Leben? Meine berufliche Entwicklung war ein
recht kurvenreicher Weg, ohne besonders hervorstechende Höhepunkte. Erlernt
habe ich den Beruf eines Feinmechanikers drüben in Glashütte im
Ausbildungswerk Makarenko. Geliebt habe ich diesen technischen Beruf nie und ich
fühlte mich immer eingesperrt in diesen Werkhallen und Maschinensälen. Dann
trieb es mich aus besonderen Umständen für drei Jahre zu dieser ehemaligen
Kasernierten Volkspolizei. Anschließend eine kurze Stippvisite als
Landjugendbeauftragter der Freien Deutschen Jugend und dann ‚avancierte’ ich
für mehr als sechs Jahre zum Gießereiarbeiter im Schmelzbereich des ehemaligen
Volkseigenen Betriebes „ Ferdinand Kunert„ Schmiedeberg.
Mich
musste wohl der Teufel geritten haben, als ich zusagte, Mitarbeiter für Kultur
bei der SED Kreisleitung – ein sogenannter Berufsrevolutionär – zu werden.
Unzählige verbale Beulen und Fausthiebe musste ich in dieser langen Zeit (
beinahe ein ganzes Jahrzehnt) einstecken, bis ich schließlich meine
Lebensentscheidung traf, denn dann trennte ich mich rigoros von dieser Gilde und
ich wurde für die nächsten, über zwei Jahrzehnte, Heimleiter in einem Alten
– und Pflegeheim, oben in Naundorf bei Schmiedeberg.
Ja
und das war’s dann auch schon gewesen, denn viel zu zeitig begann mein
Frührentnerdasein
und nun marschiere ich schon auf die Fünfundsiebzig zu.
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